Im Jahr 2026 beträgt die Einspeisevergütung für Solarstrom nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) nur noch rund 8 Cent pro Kilowattstunde. Da der Zukauf von Strom aus dem Netz jedoch etwa 35 Cent pro Kilowattstunde kostet, gilt eine einfache Regel: Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde Solarstrom spart Ihnen netto rund 27 Cent. Die Kombination aus Photovoltaik und Wärmepumpe bietet hervorragende technische Möglichkeiten, diesen Eigenanteil zu maximieren.
Die Herausforderung: Heizlast vs. Sonnenstunden
Während eine Solaranlage im Sommer ihren Ertragspeak erreicht, benötigt die Wärmepumpe ihre Hauptenergie in den kalten Wintermonaten sowie in den Übergangszeiten (März/April und Oktober/November). Ohne intelligente Steuerung würde die Wärmepumpe vor allem in den kalten Morgen- und Abendstunden laufen — also genau dann, wenn kein Solarstrom zur Verfügung steht. Um dies zu verhindern, muss das System aktiv gesteuert werden.
1. Thermische Speicherung durch Sollwert-Anhebung
Die einfachste und effektivste Methode zur Steigerung des Eigenverbrauchs ist die thermische Speicherung. Sobald der Wechselrichter einen Überschuss an Solarstrom registriert, sendet er ein Signal an die Wärmepumpe (entweder über ein Relais per SG Ready oder digital per Modbus). Die Wärmepumpe reagiert darauf mit einer Erhöhung der Soll-Temperaturen:
- Trinkwasserspeicher: Die Wassertemperatur wird von standardmäßig 48 °C auf 55 °C oder 60 °C angehoben. Der Heizstab oder der Kompressor nutzt hierfür ausschließlich Überschussstrom.
- Heizungspuffer: Der Pufferspeicher wird geladen und dient als thermische Reserve für die sonnenarmen Nachtstunden.
- Gebäudemasse (Fußbodenheizung): Die Raumtemperatur wird am Tag um 1 °C bis 2 °C angehoben. Die massive Betonplatte des Estrichs speichert die Wärme und gibt sie in den Abendstunden langsam ab.
2. Optimiertes Tages-Heizprofil
Durch die Programmierung von Sperrzeiten oder gezielten Freigabezeiten im Regler der Wärmepumpe lässt sich der Betrieb gezielt in die Mittagsstunden verschieben. Die folgende Tabelle zeigt ein optimiertes Heizprofil im Tagesverlauf:
| Uhrzeit | Status PV-Ertrag | Wärmepumpen-Modus | Ziel der Steuerung |
|---|---|---|---|
| 22:00 - 06:00 | Kein Ertrag | Absenkbetrieb (Flüsterbetrieb) | Minimaler Stromverbrauch aus der Batterie |
| 06:00 - 09:00 | Geringer Ertrag | Standardbetrieb (Heizung) | Grundversorgung sichern |
| 09:00 - 12:00 | Steigender Ertrag | DHW (Warmwasserbereitung) | Speicherladung mit beginnendem Überschuss |
| 12:00 - 15:00 | Ertrags-Peak | SG Ready Boost (Sollwert-Anhebung) | Maximale thermische Speicherung in Estrich und Puffer |
| 15:00 - 18:00 | Sinkender Ertrag | Standardbetrieb (Heizung) | Langsame Abkühlung, Puffer hält die Last |
| 18:00 - 22:00 | Kein Ertrag | Heizung aus dem Pufferspeicher | Vermeidung von teurem Netzstrom-Bezug |
3. Der Einsatz eines Home Energy Management Systems (HEMS)
Ein modernes HEMS geht über einfache SG-Ready-Relais hinaus. Es nutzt Wetterprognosen und historische Verbrauchsdaten, um den optimalen Ladezeitpunkt für den Batteriespeicher und die Laufzeit der Wärmepumpe zu berechnen. Kündigt sich beispielsweise für den Nachmittag ein bewölkter Himmel an, wird die Warmwasserbereitung vorgezogen, um den Vormittagsstrom optimal zu nutzen.